DQGG - Ausbildung

Ausbildungsrichtlinien der Deutschen Qigong Gesellschaft

Präambel

Qigong basiert auf jahrtausende alten chinesischen Gesundheits- und Entspannungsübungen und beinhaltet darüber hinaus Aspekte der Kampfkunst und der Meditation. Auch heute ist die Zahl der Qigong-Methoden und ihre Anwendungsmöglichkeiten äußerst vielfältig.

Qigong hat sich im Laufe der Menschheitsgeschichte auf dem Hintergrund fernöstlicher Tradition und Lebensphilosophie entwickelt, findet jedoch seit geraumer Zeit auch in der westlichen Bewegungskultur und Denkweise breite Resonanz. Qigong ist eine Form der Lebenspflege! Es fördert den harmonischen Fluss der Lebensenergie "Qi" durch eigenes Bemühen und Üben "Gong". Qigong ist ein ganzheitliches Übungssystem, das die körperlichen, seelischen und geistigen Aspekte des menschlichen Lebens in Harmonie und Einklang zu bringen sucht.

Qigong ist als Lebensbegleitendes Übungssystem im Rahmen einer institutionalisierten Ausbildung nur beschränkt vermittelbar. War früher im Fernen Osten das persönliche Meister-Schüler-Verhältnis kennzeichnend für den Übertragungsweg, so hat sich heute im Westen eine Ausbildungskultur entwickelt, die die Befähigung zur Weitergabe von Qigong durch Kurse und Ausbildungslehrgänge mit entsprechenden Zertifikaten regelt. Je nach Anbieter und Standort sind die zeitlichen, inhaltlichen und finanziellen Anforderungen dabei ganz unterschiedlich.

Mit den "Allgemeinen Ausbildungsleitlinien für Qigong" des Dachverbandes für Qigong und Taijiquan (DDQT), dem die Deutsche Qigong Gesellschaft seit 2004 angehört, sind Rahmenbedingungen geschaffen worden, die Qualitätsstandards als Mindestanforderungen für das Ausbildungswesen in ganz Deutschland beinhalten. Die vorliegende Neufassung unserer Ausbildungsrichtlinien ist auch eine Anpassung hinsichtlich Ausbildungszeit und -umfang an die Dachverbandskriterien. Dies dient der weiteren Qualitätssicherung unseres Ausbildungsangebotes, dem Schutz der von unseren ausgebildeten Lehrkräften zukünftig unterrichteten SchülerInnen, der Transparenz und Vereinheitlichung - nicht Uniformierung - unserer Ausbildungsinhalte.

Grundsätzliches

Im Gegensatz zu anderen Ausbildungsträgern in Deutschland ist die Deutsche Qigong Gesellschaft keinem speziellen Übungssystem oder chinesischen Meister verpflichtet. Dies garantiert eine breite Angebotsvielfalt an Methoden und Übungssystemen.

Die Organisation und Durchführung der Ausbildung erfolgt durch AusbilderInnen, die Mitglieder der Deutschen Qigong Gesellschaft sind und über eine langjährige Erfahrung im Praktizieren und Unterrichten von Qigong verfügen. Die Vergabe bzw. der Entzug der Ausbildungsrechte erfolgt nach den im Anhang beigefügten Richtlinien zur Ausbilderanerkennung (Anhang 2).

Die Ausbildung der DQGG ist für die DQGG grundsätzlich kostenneutral. Sie finanziert sich über die Seminargebühren der TeilnehmerInnen, wobei derzeit eine einheitliche Kursgebühr von mindestens 10 € bis maximal 13 € pro Seminarzeitstunde erhoben wird. Eine Änderung der Höhe der Kursgebühren obliegt der Jahreshauptversammlung.

Überregionale Dienstleistungen der DQGG wie z.B. Werbung, Benutzung des Logos, Erstellung eines überregionalen Veranstaltungskalenders, Supervision und Betreuung externer Abschlusscolloquien, jährliche Fort- und Weiterbildung der Ausbildenden, Zertifikatsausstellungen etc. werden durch eine Ausbildungsabgabe von 10% der Kursgebühren finanziert. Diese Abgabe ist regelmäßig im mindestens halbjährlichen Turnus von den jeweiligen AusbilderInnen auf das Ausbildungskonto der DQGG abzuführen. Die Einhaltung überprüft der Ausbildungsbeirat.

Ausbildungsorganisation

Die Ausbildung erfolgt in 2 Stufen, die als in sich abgeschlossene, aber aufeinander aufbauende und sich ergänzende Einheiten konzipiert sind. Die Mindestausbildungs-oder Unterrichtszeiten sind in:

Stufe 1: Kursleiter/in = 250 Unterrichtsstunden = 187,5 Zeitstunden
Stufe 2: Lehrer/in = 250 Unterrichtsstunden = 187,5 Zeitstunden
Gesamt = 500 Unterrichtsstunden = 375 Zeitstunden

Die Ausbildung erfolgt überwiegend in regional organisierten Ausbildungsgruppen, die von mindestens 2 anerkannten AusbilderInnen vor Ort durchgeführt werden. Nach wie vor besteht aber daneben die Möglichkeit zur individuellen, überregionalen Studienorganisation im Rahmen des Baukastensystems. Die Veranstaltungen der regionalen Ausbildungsgruppen sind deshalb grundsätzlich für alle Studierenden bundesweit offen. Die Veranstalter vor Ort sind verpflichtet ihre Ausbildungsorganisation detailliert offen zu legen und die Inhalte pro Ausbildungseinheit - in der Regel das Wochenendseminar - konkret zu benennen, um eine zielgenaue Auswahl der Ausbildungsinhalte für Externe zu ermöglichen!

Die regional veranstalteten Ausbildungen sollten so organisiert sein, dass der Abschluss in der Regel auf Stufe 1 Kursleiter/in frühestens nach 2 Jahren, der Abschluss auf Stufe 2 frühestens nach 4 Jahren erreicht wird. Entsprechende Ausbildungszeiten gelten auch für die Studierenden im freien Baukastensystem!

Eingangsvoraussetzungen

Zugang zur Ausbildung haben in der Regel nur Personen, die eine mindestens 2jährige Übungserfahrung mit Qigong oder Qigong-verwandten Methoden (z.B. Taijiquan, Meditation, Yoga etc.) nachweisen können. Alle TeilnehmerInnen müssen außerdem Mitglied der DQGG sein bzw. werden.

Mentor/in / Studienbuch

Auszubildende im individuell gestalteten Baukastenstudium wählen sich aus dem Kreis der Ausbildenden eine/n Mentor/in, der/die sie während der Studienzeit begleitet und berät. Näheres regeln die unten im Anhang beigefügten Richtlinien zur Men-torentätigkeit (Anhang 3). In den festen Ausbildungsgruppen üben die örtlichen Ausbildungsleiter/innen die Mentorentätigkeit aus.

Teilnehmer/innen am freien Baukastensystem erhalten von der Geschäftsstelle der DQGG gegen eine Gebühr ein Studienbuch, in dem die Teilnahme an den absolvierten Kursen und Seminaren dokumentiert und testiert wird. Das Studienbuch enthält außerdem Übungsberichte und die entsprechenden Kommentare der MentorInnen. Den Auszubildenden in den festen Regionalgruppen wird empfohlen ebenfalls Studienbücher zu führen.

Anerkennung von sonstigen Qigong-Seminaren

In der Regel werden Seminare anerkannt, die von den Ausbildenden der DQGG als Ausbildungsveranstaltungen ausgewiesen sind. Sie finden als Wochenendseminare oder Mehrtagesblockseminare statt; es können nach Absprache auch fortlaufende Kurse oder Einzelstunden zur Anrechnung kommen, wenn sie relevante Ausbildungsinhalte abdecken. Fallweise können auch Veranstaltungen chinesischer GastdozentInnen berücksichtigt werden, sofern sie in Inhalt und Qualität den Zielen des Ausbildungsplanes entsprechen. Die MentorInnen oder regionalen AusbildungsleiterInnen entscheiden über die Anerkennung!

Abschlüsse/Zertifikate

Am Ende einer jeweiligen Ausbildungsstufe findet ein Abschlusscolloquium statt. Auf der Stufe 1: Kursleiter/in wird dabei eine schriftliche Prüfung, eine praktische Lehrprobe von 30 min Dauer und ein mündliches Prüfungsgespräch von ebenfalls 30 min durchgeführt. Außerdem wird die Vorlage einer schriftlichen Hausarbeit im Umfang von 5-20 DIN A4-Seiten zu einem Qigong-relevanten Thema erwartet. Das Abschlusscolloquium auf Stufe 2 beinhaltet eine schriftliche Prüfung (15 Fragen zur TCM und 15 Fragen zur Übungspraxis), eine Lehrprobe (30min) und eine mündliche Abschlussprüfung (30min). Auch auf dieser Stufe ist die Vorlage einer schriftlichen Hausarbeit Voraussetzung zur Teilnahme am Abschlusscolloquium!

Die Kosten für die Colloquien tragen die TeilnehmerInnen, wobei ein einheitlicher Preis von 150 € berechnet wird. Die 10% ige Ausbildungsabgabe an die DQGG ent-fällt hierbei.

Individuell Studierende im Baukastensystem nehmen so weit möglich an den Abschlusscolloquien der festen Ausbildungsgruppen teil, wenn sie ihre Studienbausteine vollständig zusammen getragen haben. Im besonderen Bedarfsfall können auch gesonderte Abschlussveranstaltungen für Baukasten-Studierende durchgeführt werden, wenn innerhalb eines Jahres mindestens 10 Interessenten bei der Geschäftsstelle der DQGG ein externes Abschlusscolloquium beantragen. Die Prüfungsgebühr hierfür beträgt einheitlich 150 €.

Bei erfolgreicher Teilnahme an den Abschlusscolloquien erhalten die Absolventen Zertifikate, die als Ausbildungsnachweise dienen. Nach Abschluss der Stufe 1 wird das Zertifikat "Kursleiter/in der DQGG", nach Abschluss der Stufe 2 das Zertifikat "Lehrer/in der DQGG" verliehen. Die Zertifikate berechtigen Qigong eigenverantwortlich zu unterrichten und weiterzugeben.

Von der ebenfalls mit einem Zertifikat abzuschließenden Spezialkursleiterausbildung "Kinder-Qigong" werden Teile für die allgemeine Kursleiterausbildung anerkannt. Noch fehlende Ausbildungsinhalte sind auf der Basis eines Vergleiches der Curricula nachzuholen. Das Nähere regelt eine Ausführungsvorschrift (Anhang 4). Zurzeit existiert nur diese Spezialausbildung!

Die DQGG veröffentlicht eine ständig aktualisierte Liste der Kursleiter/innen und Lehrer/innen. Alle berechtigten Lehrkräfte werden hier aufgeführt, sofern sie den Mitgliedsbeitrag für Kursleiter/innen und Lehrer/innen jährlich leisten.

Nicht von der DQGG ausgebildete Personen können auf Antrag unter Einreichung ihrer Bewerbungsunterlagen in die Liste der Kursleiter/innen und Lehrer/innen aufgenommen werden. Die Entscheidung hierüber trifft der Ausbildungsbeirat unter Be-rücksichtigung bzw. Anwendung der im Anhang dokumentierten Richtlinien zur Anerkennung extern ausgebildeter Lehrkräfte (Anhang 1).

Lehrende Mitglieder der DQGG haben die Pflicht zur ständigen Weiterbildung. Diese Verpflichtung regelt sich eigenverantwortlich und wird nicht kontrolliert! Die DQGG bemüht sich ein attraktives und reichhaltiges Weiterbildungsangebot zur Verfügung zu stellen.

Ausbildungsplan/-inhalte

Die Ausbildung der DQGG vermittelt praktische und theoretische, aber auch pädagogische und didaktische Inhalte. Sie besteht aus obligatorischen, für alle Auszubildenden verbindlichen Inhalten, gewährt aber auch die freie Wahl von bestimmten Übungsformen. Im Einzelnen ergeben sich folgenden Ausbildungsinhalte:

Stufe 1: Kursleiter/in

Qigong-Praxis
Qigong-Theorie
Traditionelle Chinesische Medizin (TCM)
Pädagogik/Didaktik

Stufe 2: Lehrer/in

Qigong-Praxis
Qigong-Theorie
Traditionelle Chinesische Medizin (TCM)

Es gilt ein Verständnis zu schaffen für die ganzheitliche Betrachtungsweise des Menschen durch die TCM, für die Ansichten der TCM über Krankheitsentstehung, -vorbeugung, -therapie, sowie den Stellenwert von Qigong in diesem Zusammenhang!

Pädagogik/Didaktik
Bewegungslehre, Anatomie, Physiologie

Ein Grundverständnis anatomischer Zusammenhänge wird erwartet, um die Bewegungsweise im Qigong und die dazugehörigen Prinzipien besser verstehen zu können. Das Studium westlicher Bewegungslehre kann dabei ebenso behilflich sein wie sportmedizinische Grundkenntnisse (z.B. Belastungspensen in verschiedenen Altersstufen, Verletzungsrisiken etc.). Die grundlegenden Wechselwirkungen zwischen Körper (Haltung), Geist (Vorstellungskraft/Aufmerksamkeit) und Emotionen (Gefühlsausdruck) sollten bekannt sein und im eigenen Qigong-Unterricht bearbeitet werden.

Abschlussbemerkung

Qigong-Lehrer/in wird man nicht allein durch eine gute und fundierte Ausbildung! Die Ausbildung kann allenfalls einen Grundstein legen für einen verantwortlichen und qualifizierten Unterricht, der Wegbegleitung, Selbstentfaltung und Kreativität als oberste Ziele hat. Eine Auseinandersetzung mit ethischen und humanitären Aspekten des Unterrichtens und Lehrerseins ist dabei ebenso vonnöten wie die Beachtung und Einhaltung rechtlicher Grenzen.

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Anhang 1

Richtlinien zur Anerkennung extern ausgebildeter Lehrkräfte

Eine Anerkennung als LehrerIn der DQGG soll in Zukunft unter folgenden Voraussetzungen erfolgen:

  1. mindestens einjährige Mitgliedschaft in der DQGG vor Antragstellung
  2. schriftliche Vorlage von Unterrichtsnachweisen über vorläufig insgesamt 375 Zeitstunden (500 Unterrichtsstunden), die sich auf einen Zeitraum von mindestens 4 Ausbildungsjahren erstrecken, darin enthalten: Zur schnelleren Erfassung der Daten ist ein von der DQGG ausgearbeiteter Fragebogen zu beantworten!
  3. Vorlage mindestens einer schriftlichen Referenz/Empfehlung eines/r anerkannten Ausbilders/in der DQGG
  4. Einmalige Aufnahmegebühr von 200 € (LehrerInnen und KursleiterInnen) als Ausgleich zur 10%igen Ausbildungsabgabe der intern im Baukasten-system der DQGG Ausgebildeten
  5. Bereitschaft zur regelmäßigen, freiwilligen Fort- und Weiterbildung
  6. Der Ausbildungsbeirat kann zusätzlich verlangen:

Anhang 2

Richtlinien zur Ausbilderanerkennung

Allgemeines:

Die Erlaubnis für die DQGG als AusbilderIn zu arbeiten ist an die Mitgliedschaft in der Gesellschaft gebunden und erstreckt sich ausschließlich auf die Ausbildungsarbeit innerhalb der Gesellschaft. Eine Ernennung zum/zur Ausbilder/in ist somit ab sofort grundsätzlich an eine regelmäßige Ausbildungstätigkeit im Rahmen des Ausbildungssystems der DQGG gekoppelt unter Einhaltung der von der Mitgliederversammlung jeweils beschlossenen Ausbildungsrichtlinien. Sie beinhaltet auch die Verpflichtung zu gemeinsamer Fort- und Weiterbildung, die durch den Aus- und Weiterbildungsbeirat jährlich organisiert wird. Die Ernennung erfolgt nach schriftlicher und persönlicher Vorstellung beim Ausbildungsbeirat unter Berücksichtigung der unten aufgeführten Ernennungskriterien, die im übrigen den neuen Ausbildungsrichtlinien des Dachverbandes (DDQT) entsprechen. Die Bezeichnung "AusbilderIn der DQGG" ist eine reine Funktionsbeschreibung und somit kein lebenslang erworbener Status oder Titel. Nach mindestens 3jähriger Nichtausübung der Ausbildertätigkeit für die DQGG erlischt die Berechtigung im Namen der DQGG auszubilden.

Anerkennungskriterien:

Erwartet wird:

Ausschlusskriterien

:

In Fällen der Nichteinhaltung der Ausbildungsrichtlinien der DQGG kann der Ausbildungsbeirat in Absprache mit dem Vorstand die Anerkennung zum/zur AusbilderIn zurücknehmen. Der/die Betroffene ist dabei vorher anzuhören.

Anhang 3

Richtlinien zur MentorInnen-Tätigkeit.

Mentoren sind Studienberater und -begleiter für die BaukastenstudentInnen.

Sie:

Anhang 4

SpezialkursleiterInnenausbildung "Kinder-Qigong"

Absolventen der Spezialausbildung "Qigong mit Kindern", welche die Anerkennung zum/r allgemeinen KursleiterIn anstreben, müssen die in der Kinder-Qigong-Ausbildung nicht enthaltenen, oder zu wenig thematisierten Lehrinhalte in der Form von 6 Aufbaublöcken à 12 Zeitstunden ergänzen. Diese beinhalten folgende Lehrinhalte:

Diese Aufbauausbildung wird mit der Prüfung zum Kursleiter abgeschlossen.

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