Qigong-Übungen

Qigong-Übungen, so heißt es gelegentlich, gibt es „wie Sand am Meer“ oder „wie Sterne am Himmel“. Dies mag daher rühren, dass im alten China jeder Meister sein Übungssystem und seine Übungen ausschließlich an seine Schüler weiter vermittelt hat. Da manche Übungen von den Schülern weiterentwickelt oder verändert wurden, ergibt sich logischerweise eine große Vielfalt in den Übungsreihen oder Formen. Die spezielle Eigenart oder der Unterrichtsstil des jeweiligen Lehrers kann für Anfänger weiter den Eindruck vermitteln, gerade wieder etwas „völlig Neues“ kennen zu lernen.

Im Kinder-Qigong, das sich im Wesentlichen in Deutschland entwickelt hat, sind in den letzten Jahren viele neue Übungen dazu gekommen (diese werden hier allerdings nicht aufgeführt!).

Qigong Übung Alle diese unterschiedlichen Übungen handeln und wirken nach den gleichen Prinzipien. Sie nehmen alle Bezug zu den Energieleitbahnen (Meridiane) im Körper. Sie nehmen Einfluss auf den Energiefluss im Körper, indem sie die Aktivität des Qi (der Lebensenergie) harmoniseren oder ganz gezielt lenken und leiten. Bei allen Übungsformen wird die Wechselwirkung zwischen Atem, Vorstellung und Bewegung berücksichtigt und einbezogen. Gemeinsames Ziel aller Übungen ist die Gesunderhaltung oder Verbesserung der Gesundheit und das Wachstum des Individuums.

Es haben sich aber einige wenige Übungsformen und – reihen über verschiedene Schulen und Lehrer hinweg herauskristallisiert, die inzwischen weit verbreitet geübt oder ausgebildet werden. Manche sprechen auch hier von unterschiedlichen Qigong-Stilen. Im Folgenden werden die an den verschiedenen Ausbildungsstandorten der DEUTSCHEN QIGONG GESELLSCHAFT e.V. gelehrten Übungsreihen genannt und kurz beschrieben. Möglicherweise wird die eine oder andere Übung bei anderen Lehrern und anderen Ausbildungsorganisationen anders bezeichnet oder in einer anderen Schreibweise weitergegeben.

Acht Brokatübungen | Acht weiche Brokatübungen |Achtzehn Übungen des Taiji-Qigong | Achtzehnfache Methode der Übung | Atem des Universums | Ba Fanhuangong | Chanmigong | Daoyin Yangshenggong | Duft-Qigong | Fan Teng Gong | Fliegender Kranich | Fünf Organe Qigong | Fünfzehn Ausdrucksformen des Taiji-Qigong | Meridian-Qigong | Nei Yang Gong | Qigong-Gehen | Zehn Meditationen vom Berg Wudang | Stilles Qigong

Acht Brokatübungen (Baduanjin)

Die Bezeichnung „8 Brokatübungen“ verweist auf den Wert dieser Übungen, die mit besonders kostbarer Seide verglichen werden, in zahlreichen Varianten existieren und seit dem 3. Jh. (Xu Sun) überliefert sind. In der Form von Jiao Guorui sind sie sehr sorgfältig ausgearbeitet und erlauben eine differenzierte Regulierung des Qi.

Die „8 Brokate im Stehen“ sind kraftvoll und doch gleichzeitig in innerer Entspannung zu üben; sie haben eine klare Struktur und Ausrichtung, fördern die Stabilität und Zentrierung. Die Übungsnamen benennen auch die Funktionskreise, so dass jeder Übung neben der allgemeinen noch eine spezielle Wirksamkeit zugeordnet wird.

Die „8 Brokate im Sitzen“ gehören zu den Übungen in Ruhe. Sie sind moderater in den Haltungen und Bewegungen und betonen die innere Übung (Neigong Baduanjin), also die Kultivierung des Qi. Sie eignen sich gut auch bei eingeschränkter Konstitution. Zusammen bilden beide Übungsformen eine sehr ausgewogene Kombination, da sie Inneres und Äußeres gleichzeitig trainieren.

Geeignet für Anfänger und Fortgeschrittene.

Acht weiche Brokate (Baduanji)

Die 8 weichen Brokate nach Josefine Zöller sind eine Übungsreihe im Sitzen, sowohl auf dem Boden als auch auf dem Stuhl. Eingeleitet werden sie von einer stillen Übung, in der sich das Qi auf drei Bahnen bewegt um im umhüllenden „Brokatmantel“ zur Ruhe zu finden. Die Übungen 2-4 können geschwächte Rückenmuskeln kräftigen, sowie verspannte und verkürzte Partien im Schulter- Nackenbereich lockern und dehnen. Die 5. Übung ist eine Massageübung, die die Nieren und das Becken wärmt und damit den Körper für die folgenden Dehnungen vorbereitet. Die Übungen 6-7 im Langsitz können die muskulären Dysbalancen in Becken und Beinen ausgleichen. In der 8. Bewegung wird das Qi in spiraligen Kreisen auf dem Bauch zum Ursprung zurückgeführt.

Die acht weichen Brokate können auch für ältere Menschen sehr hilfreich sein. Die Bewegungen sind dazu geeignet einzeln geübt zu werden.

18 Bewegungen des Taiji Qigong (Taiji Qigong Shibashi)

Qigong ÜbungDie 18 Bewegungen des Taiji Qigong nach Meister Lin Haosheng, sind eine Übungsreihe, die die sanften Bewegungen von Qigong und Taiji verbindet. Sie wurde in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts in Zusammenarbeit mit der Universität für chinesische Medizin in Shanghai aus dem reichhaltigen Schatz traditioneller Qigong-Übungen entwickelt.

Sie zeichnet sich durch kleine leicht erlernbare Übungen aus und ermöglicht so gerade Anfänger_innen einen leichten Einstieg in die Qigong-Praxis. Es wird das Wahrnehmen des Körpers in Verbindung mit dem Atem gefördert. Die damit einhergehende Harmonisierung des Geistes lässt die Übenden einen Zugang zu ihrem Qi-Fluss finden. Durch die vielfältigen Übungen können alle Körperbereiche, Gelenke und Meridiane aktiviert werden. Sie basieren auf dem bewegten Stehen und verdeutlichen in sanften, weichen Bewegungen die Spiraldynamik. Die Grundaspekte des Qigong lassen sich in diesen kleinen und mit bildhaften Namen benannten Übungen gut erfahren und vertiefen.

Achtzehnfache Methode der Übung (Liangong Shibafa)

Diese Übungsreihe wurde 1981 von dem Arzt Zhuang Yuanming veröffentlicht. Es handelt sich um eine neu zusammengestellte und überarbeitete Übungsreihe nach den Aufzeichnungen und Erfahrungen von Altmeister Wang Ziping. Die Übungen entstammen der daoistischen und buddhistischen Tradition.

Diese Qigong-Form besteht aus 36 Einzelübungen, aufgeteilt in jeweils 6 Übungen für unterschiedliche Körperbereiche, so dass alle Knochen, Gelenke, Muskeln und Bänder gelockert werden können. Nach jeder Übung wird eine kurze Pause eingelegt, in der man der Entspannung und Wärme in dem eben vom Qi durchfluteten Bereich nachspürt. Der Übungsweg verläuft von der äußeren Bewegung zur inneren Ruhe, vom Öffnen der peripheren Meridiane zum Öffnen der inneren Leitbahnen, so dass auch eine positive Wirkung auf die inneren Organe erzielt und die Wahrnehmung immer feinerer Ebenen des Körpergefühls erreicht werden kann. Anfänglich mag es wie eine gymnastische Übungsreihe aussehen. Wenn die Bewegungen aber runder und weicher werden, ausgeführt in Verbindung mit dem Atem und mit der Lenkung des Qi, in ständigem Wechsel von Spannung und Entspannung, wird schnell deutlich, dass es sich um eine Qigong-Form handelt.

Diese Serie bietet auch die Möglichkeit, sich ein eigenes Übungsprogramm zusammenzustellen. Gelassene Heiterkeit und das Innere Lächeln sind wertvolle Helfer beim Üben.

Atem des Universums

„Der Atem des Universums“ ist eine in Südostasien verbreitete Übung, die dort dem Taiji Qigong zugeordnet wird. Es handelt sich um eine längere Choreografie, die im Fersenstand geübt wird. So werden die Übenden zur Achse zwischen Mittelpunkt der Erde und Quelle des Lichts. Während des Ablaufs der Bewegungen werden die 3 Ebenen Himmel-Erde-Mensch angesprochen und abschließend vereint. Das kontinuierliche, vom Dantian ausgehende Steigen und Sinken mit subtilen Rhythmusänderungen sowie die feine Handführung bewirken eine spezielle Kommunikation zwischen Zentrum und Peripherie. Das hat eine Körperatmung zur Folge, die von den Übenden bald als eine „Eigenpulsation“ erlebt werden kann und die nach Beenden der Form im Nachspüren erhalten bleibt. Diese den gesamten Leib bewegende Energiepulsation kann in eine Resonanz von Innen- und Außenraum bis zu dem Gefühl, mit dem Atem des Universums im Einklang zu sein führen.

Der Bewegungsablauf wird dreimal mit Spürpausen wiederholt, am Ende folgt ein längeres Stehen in bewegter Stille.
Die Übung wirkt vorwiegend auf die 8 Ursprungsgefäße (Qi Jing Ba Mai).

Ba Fanhuangong (auch Fan Huan Gong geschrieben)

Qigong ÜbungDie Ba Fanhuangong gehen der Überlieferung nach zurück bis in die „Östliche Han-Dynastie” (25 - 220 n. Chr.).
BA bedeutet die Zahl 8, wobei in der chinesischen Philosophie jede Zahl mehr mit einer Qualität denn einer Quantität verbunden ist. Die Acht symbolisiert die acht Winde (8 Himmelsrichtungen). Mit ihnen wird die Ausbreitung und Durchdringung von Jing, Qi und Shen in Raum und Zeit ausgedrückt.

FANHUAN bedeutet: „Zum Ursprung zurückkehren, zur Quelle zurückkommen”. Die Übungsreihe besteht aus 8 bewegten Übungen an die sich stilles Qigong im Sitzen anschließt.
Die Ba Fanhuangong werden heute dem Übungsschatz der Schule der vollkommenen Wirklichkeit zugeordnet, einer daoistischen Schule der inneren Alchimie, die während der Song-Dynastie(10.-13. Jh.) entstand. Die Bewegungsabläufe sind komplex und beinhalten verschiedene Einbeinstände. Sie fördern die Entwicklung differenzierter Verwurzelung, die die feine Öffnung zum Kosmos ermöglicht. Das Herz der Form sind die Qi-Bewegungen im Inneren.
Die Übungen wurden in China bis in unsere Zeit nur „von Herz zu Herz” weitergegeben. Nach Österreich und Deutschland sind die Ba Fanhuangong durch Prof. Cong Yongchun aus Fujian in China gekommen. Er hatte diese Übungen in einem daoistischen Kloster in Südchina erlernt.

Chan Mi Gong

Die Ursprünge des Chan Mi Gong lassen sich in schamanischen, später tibetisch-buddhistischen Übungen, die zur Vajrayana (Vajra- oder Diamant-) Schule innerhalb des Mahayana-Buddhismus gehörten, vermuten. Laut Großmeister und Linienhalter Liu Hanwen sind die Übungen 5000 Jahre alt und im Gebiet des heutigen Tibet entstanden. Ende der siebziger Jahre erhielten die Übungen von ihm und Meister Li Zhinan einen neuen Namen und wurden leicht abgeändert. Das chinesische Wort "Chan" ist im Westen bekannt als das Wort "Zen" und bedeutet "Sitzen in Stille" oder "Sammlung des Geistes in Versunkenheit". "Mi" steht für "geheim". Die gemeinsame Philosophie der alten magischen Praktiken des Diamant-Qigong und des chinesischen Chan Mi Gong ist es, wie ein Diamant eine "unzerstörbare" Leere durch Stille und eine nach innen schauende Versunkenheit erreichen zu mögen.

Das chinesisch-buddhistische Chan Mi Gong kann durch weiche, wellenartige Bewegungen der Wirbelsäule und des gesamten Körpers in eine innere Kraft und Klarheit führen, daher wird es auch als Wirbelsäulen- und Gelenk-Qigong bezeichnet. Die weichen, fließenden Bewegungen entsprechen dem Yin, der "Quelle des Yang". Das erwachende Yang wird aus dem Yin geboren und kann hier zu einer starken Wirbelsäule führen, einer kraftvollen Himmel-Erde-Achse, die eine Anbindung an die grenzenlosen Himmels- und Erdkräfte spürbar machen kann. Die durch Aufmerksamkeit geführte Regulation des Qi in der Wirbelsäule kann sich u. a. auf die inneren Organe, das zentrale Nervensystem und den ganzen Körper auswirken. In fortgeschrittener, oft stiller Praxis kann die Methode auf höhere Bewusstseinsebenen und die Verbindung und Einswerdung mit dem Kosmos führen. Im Praktizieren des Chan Mi Gong steht als zentraler Aspekt das Lösen von alten überholten Mustern, entspanntes Loslassen und Hingabe an die Methode. Eine Besonderheit sind die "magischen" Laute (Mantras), spezifische Handhaltungen (Mudras) und Visualisationen.

Daoyin Yangsheng Gong (DYYSG)

Qigong ÜbungDas DYYSG ist ein umfangreiches Übungssystem des Gesundheits-Qigong, das seit 30 Jahren von Prof. Zhang Guangde entwickelt wird. Sein Ziel ist, das Meridiansystem zu harmonisieren, wodurch es präventiv und therapeutisch eingesetzt werden kann. Alle dazugehörigen Methoden sind ganzheitlich konzipiert, haben jedoch jeweils eine spezifische Wirkung.

Grundstufe: Die 4 Regulationsmethoden für Körper, Atmung, Geist und für Blut & Qi, Baduanjin, die 39 Massagen für die ewige Jugend
Mittelstufe: Herz-, Magen-, Milz-, Lungen-, Nieren-, Muskel-, Knochen- Qigong, das gesundheitsschützende Qigong und die 49 Bewegungen des Leitbahnen-Qigong
Fortgeschrittene: Taiji der leeren Hand und Taiji-Schwert
Die Übungen werden oft von Musik begleitet.

Duft-Qigong (Xian Gong)

Die Duftübung, Xian Gong, auch Duftendes Qigong oder Fragrant-Qigong genannt, ist ein eigenes Übungssystem mit einer Grund-, Mittel- und Oberstufe. Die Oberstufe wird allerdings nur sehr selten weitergegeben, ursprünglich nur an die Privatschüler von Tian Ruisheng.
Nach 50-jähriger eigener Übepraxis mit der Bedingung der Geheimhaltung konnte er die Grund- und Mittelstufenübung von 1988 an in China öffentlich unterrichten und ihr einen großen Anhängerkreis verschaffen. 1995 starb Tian Ruisheng.
Angeblich ist das „Duftende Qigong“ ein altüberliefertes System buddhistischen Ursprungs, das in den Zeiten des offenen Umgangs mit Qigong in China eine sehr beliebte Übung war.

In der Grundstufe wird vor allem das mittlere Dantian angesprochen und die Funktionskreise von Herz und Lunge können sich regulieren. Auch zur Reinigung des Körpers und zur Unterstützung von Ausleitungs- und Entschlackungsverfahren ist die Grundstufe gut einsetzbar und kann wohltuend auf die Hals- und Brustwirbelsäule, sowie auf den Schultergürtel wirken. Tritt der Erfolg ein, kann der Körper „duften“. Daher der Name.
Diese Übung eignet sich auch gut für das Üben im Sitzen und ist so auch für ältere und Menschen mit körperlichen Einschränkungen gut geeignet.

Die Mittelstufe bewegt uns im Unterleibsbereich und spricht so vor allem das untere Dantian an. Diese Duftübungen können regulierend und nährend auf die Funktionskreise der Niere und Blase wirken. Sie können bei vielen Disharmonien in diesem Bereich bei Männern und Frauen helfen und die Zirkulation des Jing unterstützen.

Die Oberstufe ist darauf ausgerichtet die Übenden zu weit reichender Selbstentwicklung zu führen und das obere Dantian sowie den Zentralkanal zu öffnen. Die Übungen der Oberstufe werden in Deutschland eher selten unterrichtet.

Fan Teng Gong

Das Fan Teng Gong ist ein altes daoistisch-buddhistisches Qigong, das von Meister Lu Xuezhe aus Qinghuangdao erst seit 1987 in China verbreitet wurde. Den Namen könnte man übersetzten mit: „Auch normale Menschen können fliegen“.

Das Fan Teng Gong ist eine Art Steh-Meditation, ein in sich geschlossenes Übungssystem mit Hauptübungen, Reinigungsübungen, Übungen zur Energieaufnahme und einer Sitzmeditation.
Dieses stille Qigong ohne Aufmerksamkeitsführung wird traditionell zur Krankheitsvorbeugung und begleitenden Behandlung von Krebs und anderen schweren Krankheiten eingesetzt. Es wird auch der Inneren Alchimie zugeordnet.

Qigong ÜbungDer Energiefluss entsteht durch bestimmte Körperpositionen und durch Bestrahlen verschiedener Qi-Zentren mit den Handinnenflächen. Dadurch wird das Energiesystem des Körpers gereinigt, die Meridiane werden durchlässig und neue Energie kann aufgenommen werden.
Die Übungen bauen aufeinander auf, werden aber alle einzeln über einige Wochen nacheinander praktiziert. Sie beginnen mit der Reinigung, speziell der Leberfunktionsenergie, und mit der Energieaufnahme. Danach wird gezielt geübt den Lebermeridian durchlässig zu machen, bevor der Kleine Energiekreislauf aktiviert wird und Yin und Yang sich miteinander verschmelzen können. Die letzten Hauptübungen sind höhere Übungen der Inneren Alchimie.

Fliegender Kranich (He Xian Zhuang Qigong)

ist eine sehr verbreitete und populäre Qigong-Übungsreihe bestehend aus fortlaufenden, meditativen Bewegungsübungen, die Ende der siebziger Jahre in dieser Form von Zhao Jin Xiang und dem Arzt Pang Heming (Dr. Pang Ming), in Beijing ins Leben gerufen wurde.
Das Kranich-Qigong, wie es auch genannt wird, setzt sich aus verschiedenen Elementen zusammen. Da der Kleine Himmlische Kreislauf und das Einbeziehen des Zentralkanals ein Teil des Kranich-Qigongs sind, stellen diese Übungen eine harmonische Verbindung zwischen Stillem und Bewegtem Qigong dar.
Der Kranich ist in der ostasiatischen Mythologie und Volkskunst eines der Symbole für langes Leben, Glück und Treue und wird oft als Begleiter einer der acht daoistischen Unsterblichen dargestellt. In den fünf aufeinander aufbauenden Übungsfolgen werden die majestätisch-anmutigen, tänzerisch-fließenden, ruhig-meditativen Bewegungen des Kranichs nachgeahmt. Nach einer kurzen Zeit der "Stehenden Säule"(zhanzhuanggong) folgt die vom Qi geleitete, spontane Selbstbewegungsform (zifagong). Das Fliegende Kranich Qigong kann dazu dienen, Körper, Geist und Seele zu entspannen, alle Energieleitbahnen durchlässig zu machen und Leichtigkeit "wie der Kranich beim Fluge" zu erleben, so dass die spontane Bewegung zifagong mühelos einsetzen kann. Die "Leichtigkeit des Fliegens" setzt allerdings eine bewusste Verwurzelung nach unten in die Erde voraus. So übt der Kranich besonders die Verwurzelung der Beine und die Vorstellungskraft.

5-Organe Qigong

Qigong ÜbungDie Übungsreihe „das 5 Organe Qigong nach Prof. Ding“ kann vernetzt im Zyklus, als auch in einzelnen Bildern geübt werden. Generell können die Übungen förderlich für die Durchlässigkeit, den Qi-Fluss in den Meridianen sein. Interessant ist die Kombination der Übungsfolge nach dem 6-Schichtenmodell. Diese dynamische Übungsreihe kann die fünf Zang-Organe stimulieren und harmonisieren. Zwei Vorübungen - „Das freche Mädchen reibt sich die Hände“ und „Der Tanz des Phönix im Fluge“ - können zu Beginn die Hand- und Fuß-Meridiane öffnen. Die Runde beginnt mit der Übung für den Lungenfunktionskreis und die Meridiane der Taiyin-Schicht: Lunge-Milz, “das Jademädchen überquert den See“ und geht dem Jahreskreis folgend, weiter. “Zwei Drachen spielen im Meer“ steht für den Nierenfunktionskreis und die Meridiane der Shaoyin-Schicht: Niere-Herz; „Der Tempelwächter schiebt den Berg“ für den Leberfunktionskreis und die Meridiane der Jueyin-Schicht: Leber-Perikard; “Der Phönix öffnet seine Schwingen“ für den Herzfunktionskreis und die Meridiane der Shaoyin-Schicht: Herz-Niere. “Ein mächtiger Riese hebt den Himmel“ für den Milzfunktionskreis und die Meridiane der Taiyin-Schicht: Milz-Lunge. Die Abschlussübung zur Integration der Organenergien heißt: “Ein glücklicher Löwe dreht wirbelnd den Ball“.

15 Ausdrucksformen des Taiji-Qigong (Qigong Taiji Shiwushi)

Die „15 Ausdrucksformen des Taiji-Qigong“ von Jiao Guorui basieren auf historischen Überlieferungen der tangzeitlichen „13 Ausdrucksformen der Taiji-Pfahl-Übungen“ des Daoisten und Dichters Xu Xuanping und wurden in langjähriger klinischer Praxis weiterentwickelt. Sie dienen speziell der Regulierung des Qi.
In der äußeren Form unkompliziert, sind sie gut erlernbar. Bei Beachtung der grundlegenden Übungsprinzipien sind die Übungen ausgewogen, können den gesamten Organismus regulieren und gute Wirksamkeit auch bei chronischen Beschwerden zeigen. Sie verbinden Elemente der Kampfkunst mit Aspekten der Lebenspflege sowie der CM und folgen der Natürlichkeit in Bewegung und Ruhe. In die Übungen fließt ein reicher geistiger Hintergrund ein, der ihnen ihren besonderen Charakter verleiht.
Geeignet für Anfänger und Fortgeschrittene.

Meridian-Qigong

Qigong ÜbungDiese Meridian-Übungen stammen aus keiner einheitlichen Tradition. Teilweise sind einzelne Übungen aus anderen Übungsreihen übernommen oder abgewandelt (Übungsreihe von Cong Lin). Einige sind über die Jahre in der eigenen Übungspraxis entstanden. Die Übungen dienen dem Spürbarmachen der Meridianverläufe im Körper, sorgen für ihre Durchlässigkeit und regen den Qi-Fluss an. Alle 12 Meridian-Qigong-Übungen sind in sich eigenständige Übungen. Sie können einzeln oder in verschiedenen Kombinationen geübt werden: im Verlauf der Organuhr, entsprechend der Tages- oder Jahreszeit, im Nähr- oder Kontrollzyklus der 5 Wandlungsphasen oder intuitiv nach persönlichen Vorlieben und Bedürfnissen. Jede Übung beinhaltet einen Abschluss, wobei das Qi im unteren Dantian gesammelt wird. Weiterhin gibt es in allen Übungen eine oder zwei Dehnungspositionen, in denen dem Meridianverlauf nachgespürt werden soll. Die Atmung ist natürlich und langsam, weich und tief, sowie leise und lautlos. Mit der Zeit kann der Atemfluss mit dem Bewegungsablauf synchronisiert und mit den Tönen von Heilenden Lauten verbunden werden.

Nei Yang Gong (Innen Nährendes Qigong)

Nei Yang Gong stammt aus der Ming-Zeit im 16. Jahrhundert und beinhaltet sowohl daoistische als auch buddhistische Elemente. In den 50er Jahren wurde es von Liu Guizhen systematisiert, um es klinisch einsetzen zu können. Er hat den modernen Begriff Qigong geprägt. Heute ist seine Tochter Liu Yafei die Leiterin der Qigong-Klinik in Beidaihe und Hauptvertreterin dieser Methode.
Das Übe-System besteht aus Grund- Mittel- und Oberstufe, wobei jede Stufe stille und bewegte Übungen enthält und eine Stufe auf der anderen aufbaut. In den stillen Übungen der Grundstufe wird die Basis gelegt für die Ruhe des Geistes und die Entspannung des Körpers. Anhand von fünf verschiedenen Techniken lernen wir, das Qi in alle Richtungen zu bewegen. Die bewegten Übungen dieser Stufe bestehen aus intensiven Selbstmassagetechniken und Bewegungselementen. Alle Übungen dieser Stufe werden auch bei Erkrankungen eingesetzt.
Das gilt auch für die stillen Übungen der Mittelstufe. Im therapeutischen Kontext spielen sie eine große Rolle, ebenso die speziellen Formen für Frauen und Männer, die als Sonderformen der Mittelstufe zugerechnet werden. Die bewegten Übungen der Mittelstufe bestehen aus zwei komplexen, wiederum aufeinander aufbauenden Hauptübungen. Eine Besonderheit der Formen besteht in den Atempausen. In der ersten Übungsreihe „Wandle Muskeln und Sehnen und bewege das Qi“ liegt der Schwerpunkt auf der Ebene des Körpers, er kann gekräftigt und gleichzeitig geschmeidig und durchlässig gemacht werden. Nach einigen Jahren Praxis dieser Formen folgt die Reihe „Bewege das Qi und verlängere das Leben“, bei der es mehr um die inneren Bewegungen des Qi geht.
Die Oberstufe – auch hier gibt es die Unterteilung in stille und bewegte Übungen – wird nicht öffentlich unterrichtet, sondern nur an ausgewählte Schüler_innen weitergegeben. Hier liegt der Schwerpunkt auf der geistigen und spirituellen Ebene.

Qigong-Gehen (Zou Qigong)

"Yu der Grosse" oder "Dayu", der mythologische Begründer der Xia-Zeit (2205-1766 v.Chr.), soll schon den "Tanz der Schamanen" durch seinen eigenwilligen Gang inspiriert haben. Diese alten Tänze wurden häufig in einer Art langsamen Gehens kreisförmig ausgeführt.
Es gibt gute Gründe verschiedene Arten des Gehens im Qigong zu verwenden, diese Möglichkeiten sind unbegrenzt.
Und es gibt bestimmte klar definierte Formen als solche, wie z.B. das Vor- und Rückwärtsgehen, sowie das Gehen des Bären z.B. im Chan Mi Gong, bei dem wir entweder Wirbelsäule schwingend auf dieser Erde vorangehen oder unser "Leben rückwärts betrachten", das Guolin Qigong nach Frau Dr. Guolin, das Organ stärkende Gehen nach Prof. Cong Yongchun oder nach Meister Wang Yu, bei dem 5 Yin-Organe und die entsprechenden Organ-Funktionskreise körperlich, geistig und seelisch gestärkt und reguliert werden können.
Manche der Formen werden mit bestimmten Atemtechniken und oder Vorstellungen verbunden.

Zehn Meditationen vom Berg Wudang

Der Zyklus stammt aus einem daoistischen Kloster auf dem Wutai-Berg in Südchina und ist beschrieben in Josefine Zöllers Buch „Das Tao der Selbstheilung”, München 1984. Der Zyklus ist harmonisch aufgebaut, alles hält sich die Waage: Bewegung und Ruhe, Himmel und Erde, wie alle Weltrichtungen und ihre diagonalen Verbindungen. Das außergewöhnliche Gefäß Daimai (Gürtelgefäß) und der Shanzhong (Renmai 17), das Gebiet um die Brustmitte, haben eine besondere Bedeutung in diesem Zyklus. Shanzhong ist der Ausgangs- und Abschlusspunkt der ersten, der mittleren und der letzten Übung; vier der anderen Übungen beginnen am Daimai oder thematisieren ihn. Alles entwickelt sich auf die zentrale Übung „Die Lotosblüte öffnet sich” hin, in der die Aufgabe des Menschen am deutlichsten hervortritt. Vielleicht steht darum in Josefine Zöllers Buch der folgende Satz als einziger Kommentar zu diesem Zyklus: „Wenn das Qi frei und üppig kreist, dann werden im Schnee die Blumen blühen.”

Stilles Qigong (Jinggong)

Das Stille Qigong, chinesisch "Jinggong", ist ein sanftes Qigong, das sich durch äußerlich kleine oder gar keine Bewegungen auszeichnet. Vielmehr liegt die Aufmerksamkeit auf den Qi-Bewegungen im Inneren Raum. Die Übungsformen wurzeln in verschiedenen spirituellen Traditionen. Das Stille Qigong gilt als eine der ältesten und grundlegendsten "Übungen zur Lebenspflege". Dazu gehören Übungen aus daoistischen, zen-, tibetisch- und tantrisch-buddhistischen Schulen. Sie alle betonen das Eintreten in einen inneren Ruhezustand, die Achtsamkeit auf unseren Atem, das Klären des Geistes, das „Lösen von den sechs Wurzeln“ (Auge, Nase, Ohr, Mund, Körper, Geist) und die Aufrichtung im Herzen, was die Mitte des Menschen ist. Alles kann außen in der Fülle präsent sein, aber das Innere bleibt in Ruhe. Wichtige Aspekte dabei sind die Vorstellungskraft (Yi) und die Atemregulierung.
Durch intensive Übungspraxis des Jinggong kann durch das Erspüren der eigenen Energie, der Vitalkraft, das Vertrauen in die Selbstheilungskraft wachsen. Es kann durch tiefe Innenschau die Einsicht in die notwendigen Prozesse des seelischen, geistigen und physischen Körpers schulen und Praktizierende motivieren, an heilenden Veränderungen aktiv teilzunehmen und lebensfördernde, eigene Impulse zu setzen. Äußerlich sind die Übungen des Stillen Qigong verblüffend einfach und innerlich können sie uns auf allen Ebenen bewegen und herausfordern.

Kurze Übungen

Darüber hinaus gibt es viele eher kurze Übungen, die zum Repertoire einzelner Lehrender oder zum Curriculum eines Ausbildungsinstituts gehören können. Als Beispiele seien hier genannt:

Dreifache Gestalt
Dantian-Übungen
Ursprung des Lichts (Taiyi Yuan Ming Gong)
Himmel und Erde verbinden (Tong Tian Guan Di Gong)
Der schwimmende Drache
Meisterübung
Qi pflücken
Durch die Finger atmen
Wolkenhände
Atemblume
Fünf-Elemente-Übungen
und viele mehr