Achtsamkeit als Haltung

Achtsame Lehrer, achtsame Schüler

 

Seit in jüngster Zeit durch Studien belegt wurde, welch tief greifenden Einfluss die Einübung einer achtsamen Haltung auf die Persönlichkeitsentfaltung hat, entstehen Konzepte, die ganz praktisch achtsamkeitsbasierte Interventionen im pädagogischen Bereich nutzen:

Gerade heute, wo Neuroenhancement mit Designer-Pharmaka als Möglichkeit der Aufmerksamkeits- und Emotionsregulation heiß diskutiert und teilweise auch freudig begrüßt und genutzt wird, gerade heute ermöglicht eine Schulung der Achtsamkeit die Möglichkeit, Kinder und Jugendliche zur Selbstwirksamkeit zu befähigen.

Die Vielfalt des Qigong beruht auch auf der Haltung der Achtsamkeit. Die Selbstkultivierung durch Übungen in der Bewegung und in der Stille führt dazu, dass der Übende lernt, seine Emotionen zu regulieren und seine Persönlichkeit auszubilden. Diese Dimension des QiGong bedarf meines Erachtens derzeit besonderer Beachtung. Wer lernt, „Herr (oder Frau!) im eigenen Haus“ (Freud) zu werden, der gewinnt eine Freiheit den eigenen Impulsen gegenüber, lernt aus verfestigten Verhaltensmustern auszusteigen und kann für sich das enge Wechselspiel zwischen Körper und Geist, das derzeit in seiner Bedeutung erforscht wird, wirksam nutzen. Über eine Spannungsregulation des Körpers kann eine Entspannung des Geistes erreicht werden, über eine Übung der geistigen Ruhe kann das autonome Nervensystem positiv beeinflusst werden. Die krank machenden Auswirkungen von chronischem Dauerstress können so entschärft werden.

 

In einigen informellen Pilot-Studien habe ich ein Konzept (AISCHU) entwickelt, das unter anderem in meinem Buch „Achtsamkeit in der Schule“(Beltz 08) beschrieben, das sich nahtlos in den Unterricht einfügen lässt und das im nächsten Schuljahr (2010/2011) von Forschern der Universität München (Dr.Niko Kohls, Dr. Sebastian Sauer) in einer Studie untersucht wird.

Die Achtsamkeit als Methode und als Haltung kann auch die Lehrerinnen und Lehrer befähigen, im Schulalltag mit Freude präsent zu sein, mit Schülerinnen und Schülern tragfähige Beziehungen einzugehen und einem Burnout vorzubeugen, indem die Lehrkräfte ihre Selbstwahrnehmung so differenzieren, dass sie Überlastung vermeiden und neue Kraftquellen entdecken.

 

„Mindfulness in Education“ hat im Augenblick in den USA eine große Wichtigkeit im pädagogischen Bereich erlangt, und zwar auch dadurch, dass Forscher wie Dan Siegel oder Mark Williams (UK) oder Jon Kabat-Zinn die Verbindung zwischen wissenschaftlicher Fundierung und praktischer Umsetzung begleiten.

Prof. Dr. Joachim Bauers Ansatz, der betont, wie bedeutsam Empathie und Einfühlung, gelungene Beziehungen und Motivation für das Lernen sind, oder Prof.Dr. Gerald Hüthers Ansatz, das Wissen um unsere biologische Grundausstattung zu nutzen und in die Schulpraxis einfließen zu lassen, diese beiden Ansätze verbunden mit praxistauglichen Konzepten werden von Lehrerinnen und Lehrer mit Begeisterung aufgenommen, sind aber noch viel zu wenig in Universität. Lehrerfortbildung und Schule verankert.

 

Die Studie der LMU (Dr. Niko Kohls, Dr. Sebastian Sauer), die dankenswerterweise von der Deutschen QiGong-Gesellschaft in Auftrag gegeben wurde, trägt hoffentlich dazu bei, dass QiGong noch mehr in seiner Wirksamkeit für Persönlichkeitsentwicklung und Gesunderhaltung erkannt und geschätzt wird.

 

Vera Kaltwasser, Frankfurt, Januar 2010